Factoring
Factoring - alternative Unternehmensfinanzierung für KMU als Ergänzung zum Bankkredit
| Beim Factoring werden Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen mit gleichzeitiger Übernahme des Ausfallschutzes und des Debitorenmanagements an eine Finanzierungsgesellschaft oder ein Kreditinstitut abgetreten. Der Factor übernimmt dabei zeitweise die Umsatzfinanzierung, indem er seinen Klienten laufend einen Vorschuss für neu entstandene Buchforderungen aus Lieferungen und Leistungen gibt. Dabei wird die Bonität unmittelbar bei der Entstehung des Umsatzes bereitgestellt. Willkommene Nebeneffekte wie beispielsweise Skontoerträge, Bilanzkürzung, bessere Ausgangslage bei Ratings und Kostenreduktionen in der Administration treten dadurch auf. Überdies hat das Factoring noch zwei weitere wichtige Funktionen: eine Dienstleistungs- und eine Versicherungsfunktion. Die Dienstleistungsfunktion schliesst das Forderungs- management, Bonitätsprüfungen, das vorrechtliche und rechtliche Inkassowesen ein. Letztere Funktion schützt den Klienten vor Debitorenverlusten, die er ohne Factoring selbst zu tragen hätte. Der Factor fordert dafür eine Gebühr, die das Ausfallrisiko reflektiert. Für den Factor besteht die Absicherung von Debitorenverlusten in einer Warenkreditversicherung. |
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Formen des FactoringsDas flexible Finanzierungsinstrument erscheint in den unterschiedlichsten Formen. Full- oder Standard-FactoringDiese Form beinhaltet alle drei Funktionen: umsatzkongruentes Cash Management, das Debitorenmanagement mit Mahn- und Inkassowesen und der Schutz vor Forderungsausfällen mit einer Warenkreditversicherung. Inhouse-FactoringBei dieser Form, auch „Bulk-Factoring“ genannt, bedient sich der Klient den Funktionen des Cash und Kreditrisikomanagements durch den Factor, schliesst jedoch das Debitorenmanagement aus. Der Klient führt dabei weiterhin die Debitorenbuchhaltung eigenständig. Bei KMU mit Umsätzen ab CHF 5 Mio. ist „Inhouse-Factoring“ die gefragteste Vertragsform. Teil-FactoringIm „Teil-“ oder „selektiven Factoring“ übernimmt der Factor nur gewisse, im Vorfeld definierte, Debitoren. |
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Export-Factoring
Beansprucht ein Klient im grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr für seine Auslandlieferung einen Factor, ist damit „Export-Factoring“ gemeint. Rechtsunterschiede und Sprachbarrieren erhöhen deutlich den Aufwand des Debitorenmanagements im Vergleich zum Inland. Zudem können KMU die Bonität ihrer Export-Debitoren generell schwer beurteilen. Kommt es zum Zahlungsausfall, drohen ein langwieriger Rechtsstreit und der Verlust der Forderung. Factoring stellt daher eine kundenorientierte Alternative zu einer Akkreditivsicherung dar.
Offenes und stilles Factoring
Beim „offenen Factoring“ wird der Debitor informiert, dass die Forderung vom Klienten an den Factor übergeben wurde und zugleich aufgefordert, die Forderung direkt beim Factor zu begleichen. Beim „stillen Factoring“ wird die Forderungsübergabe an den Factor nicht kommuniziert. Die Zahlungen werden direkt beim Klienten beglichen.
Echtes und unechtes Factoring
Wenn der Factor das Ausfallrisiko, also den Delkredereschutz, übernimmt, spricht man von einem „echten Factoring“. In der Schweiz wird hauptsächlich diese Form angewendet. Im Gegensatz dazu wird beim „unechten Factoring“ das Ausfallrisiko nicht durch den Factor übernommen.
Ultimo-Factoring
Beim „Ultimo-Factoring“ handelt es sich um eine kurzfristige Forderungsabtretung zu einem bestimmten Zeitpunkt, beispielsweise am Quartalsende oder Bilanzstichtag. Das Ziel ist dabei die Optimierung der Bilanzstruktur.
Reverse-Factoring
Das „Reverse-Factoring“ zielt auf die Lieferantenseite. Dabei übernimmt der Factor im Auftrag seiner Klienten sofort nach Erhalt der Rechnung den entsprechenden Betrag an den Lieferanten. So kann der Klient gegenüber seinen Lieferanten die langen Zahlungsziele nutzen.
Zielgruppe für Factoring
Das flexible Finanzierungsinstrument eignet sich nicht für alle KMU. Damit es für den Klienten vorteilhaft eingesetzt werden kann, verlangen Factors in der Regel die folgenden Anforderungen.
- Tätig in Dienstleistung, Handel oder Produktion
- Geschäftsentwicklung: Die KMU befindet sich in einem Wachstumsprozess
- Mindestumsatz/Jahr: Ab CHF 0.5 Mio.
- Kundenstruktur: Firmenkundengeschäft b2b (Business-to-Business)
- Zahlungsziele der Rechnungen: Maximal 90 Tage
- Liquidität der Kunden: Gute Liquidität und gutes Rating
- Rechnungsqualität: Keine Mängel, Leistung vollständig erbracht
- Abtretung: Die Forderungen dürfen nicht abgetreten worden sein
Factoring in der Schweiz
Mit stabilen zweistelligen Wachstumsraten ist Factoring in der Schweiz eine sehr dynamische Wachstumsbranche. Der Gesamtumsatz (Factoringvolumen) der Institute, die im Schweizer Factoringverband verbunden sind, stieg im Jahr 2008 auf insgesamt CHF 5.8 Mia.


